
Das zdi-Jahresthema 2026 lautet „Mission All” und beim zdi-Roboterwettbewerb begeben sich die Maskottchen Ruby und Schräubchen im Jahr 2026 auf „zdi-Space-Adventures”. Das nehmen wir zum Anlass und beleuchten mit Euch einige der wichtigsten Raumfahrt-Trends der kommenden Jahre und zeigen, wie sich Zukunftskompetenzen für die Raumfahrt in der außerschulischen MINT-Bildung vermitteln lassen. 3, 2, 1: Lift off!
Die Raumfahrt-Trends 2026
Was wird die Raumfahrt ab diesem Jahr beschäftigen? Welche Themen stehen ganz oben auf den Zetteln von ESA, NASA und Co.? Wir geben Euch Einblicke.
Rückkehr zum Mond
Das Jahr 2026 steht im Zeichen internationaler Bemühungen um den Mond. Die Artemis-Mission der US-amerikanischen National Aeronautics and Space Administration (NASA) soll nach über 50 Jahren wieder Menschen auf den Mond bringen. Im Jahr 2026 soll ein wichtiger Baustein zur Erfüllung dieser Mission gesetzt werden: Bei der für Anfang 2026 geplanten Artemis II-Mission umkreisen vier Astronaut:innen den Mond und sammeln wichtige Daten zur weiteren Umsetzung der Mission. Neben der NASA arbeiten auch weitere internationale Raumfahrtagenturen an der Mission. In Zukunft sollen auch Astronaut:innen der European Space Agency (ESA) teil der Artemis-Missionen werden. Der perfekte Ort, um für zukünftige Mond-Missionen zu trainieren ist die LUNA Analog Facility in Köln.
Das Video gibt Einblicke in die LUNA Analog Facility. Quelle: DLRde – YouTube
Auch die China National Space Administration (CNSA) plant, noch im Jahr 2026 im Rahmen der Mission Chang’e 7 eine unbemannte Sonde zum Südpol des Mondes zu schicken. Diese soll dort unter anderem Daten sammeln für die Umsetzung der Internationalen Mondforschungsstation, die die CNSA gemeinsam mit der russischen Raumfahrtorganisation Roskosmos und weiteren Ländern plant.
Besonders der Südpol des Mondes ist dabei für die Raumfahrtagenturen weltweit interessant. Die Forschenden erhoffen sich, in den permanent beschatteten Regionen (PSR), also in sehr tiefen Mondkratern, Wassereis zu finden. Wasser wäre wiederum sehr wertvoll als Grundlage für Sauerstoff- oder Treibstoffgewinnung. Außerdem könnte das Eis chemische Informationen aus der frühen Zeit des Sonnensystems enthalten. Die besonderen Bedingungen am Mond-Südpol machen gleichzeitig eine Landung besonders herausfordernd. Die Entwickler:innen der Mondsonden müssen Lösungen finden, um mit extremen Lichtverhältnissen, zerklüftetem Gelände, extremen Temperaturen und intensiver Strahlung umzugehen.
Fremde Planeten entdecken
Marianne Langener, Astronomin an der Westfälischen Volkssternwarte und Planetarium Recklinghausen weiß: Junge Menschen interessieren sich sich besonders für die Entdeckung neuer Planeten. Passend dazu ist für die zweite Hälfte des Jahrzehnts die Mission PLATO (PLAnetary Transits and Oscillations of stars) geplant. Mit ihr verfolgt die Europäische Weltraumorganisation ESA das Ziel, Exoplaneten zu entdecken und zu charakterisieren. PLATO wird enorme Mengen hochpräziser Messdaten erzeugen, deren Auswertung anspruchsvolle mathematische Modelle, leistungsfähige Algorithmen und interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordert. Damit steht die Mission exemplarisch für die wachsende Bedeutung von Datenkompetenz in der modernen Forschung.
Warum die Astronomie sich besonders eignet, um junge Menschen für MINT zu begeistern, darüber spricht Marianne Langener mit Gwendolyn Paul bei MINTspiriert! – der zdi-Podcast.
Von OldSpace zu NewSpace
Ein langfristiger struktureller Wandel zeigt sich in der zunehmenden Kommerzialisierung des Low Earth Orbit (LEO). Traditionell wurde Raumfahrt von staatlichen Agenturen getragen (OldSpace), die Programme langfristig planen und überwiegend öffentlich finanzieren. Seit den 2000er-Jahren hat sich außerdem der NewSpace-Sektor entwickelt. Private Unternehmen wie Space X oder Blue Origin treiben neue Technologien voran, darunter wiederverwendbare Trägersysteme, modulare Orbitalplattformen und kommerzielle Dienstleistungen.
Konkret könnte das bedeuten: Weltraum-Tourismus wird Realität! Das US-amerikanische Unternehmen Vast plant, bereits im Mai 2026 die Raumstation Haven-1 ins All zu schicken, die sowohl für staatliche Forschung als auch für kommerzielle Aufenthalte genutzt werden soll. Auf Stationen wie dieser könnte die Forschungsarbeit fortgesetzt werden, wie sie bisher auf der Internationalen Raumstation ISS durchgeführt wurde. Die ISS soll nur noch bis 2030 betrieben werden. Diese Entwicklungen zeigen, wie staatliche und privatwirtschaftliche Akteur:innen stärker zusammenarbeiten und neue Strukturen entstehen können, das Orbit zu nutzen.
Das Video zeigt die Entwicklung von Haven Demo, Test-Modell von Haven-1, und welche Technologien in die Raumstation eingeflossen sind. Quelle: Vast – YouTube
Nachhaltigkeit: Im Orbit genauso wichtig, wie auf der Erde
Nachhaltigkeit spielt eine wichtige Rolle in der Zukunft der Weltraumforschung und zwar aus unterschiedlichen Perspektiven. Zum einen werden auf der Erde Lösungen entwickelt, um das Erd-Orbit sauberer zu halten. Zum anderen behalten Satelliten die Erde aus dem Orbit im Blick und liefern wichtige Daten zu Klima, Umwelt und Ressourcen.

Zunehmende Satellitenkonstellationen und Raumtransporte erhöhen die Menge von Objekten im Orbit, die das Risiko von Kollisionen und weiterem Weltraummüll steigern. Um die Belastung durch diesen „space debris” (Weltraum-Trümmerteile) zu verringern und langfristig ganz zu vermeiden, hat die ESA den „Zero Debris Approach” ins Leben gerufen. 2025 veröffentlichte die Agentur eine „technologische To-Do-Liste”, mit deren Hilfe das Orbit bis 2030 trümmerfrei werden soll.
Um dies zu erreichen, hat die „Zero Debris Community”, bestehend aus 18 Ländern und über 100 Unternehmen, einige Maßnahmen beschlossen. Dazu gehört die Vermeidung von Kollisionen dank entsprechender Schutzsoftware oder Satelliten-Designs aus trümmerresistenten Materialien. Auch das Einrichten von aktiven Trümmerbeseitigungsdiensten (ADR) soll umgesetzt werden. Diese sollen sicherstellen, dass keine inaktiven Objekte in den Erd-Orbits verbleiben.
Einerseits gefährden die vielen Satelliten die Nachhaltigkeit der Erdumlaufbahn gefährden. Andererseits helfen sie ungemein dabei, Nachhaltigkeit und Umweltschutz auf der Erde zu fördern, denn sie liefern wichtige Daten für Klima-, Umwelt- und Ressourcenmonitoring. 2026 werden neue Erdbeobachtungssysteme erwartet, die Wetter- und Umweltdaten mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung erfassen, z. B. für die Küstenüberwachung oder Klimaforschung.
Diese Missionen starten im Jahr 2026:

LEO-PNT-Mission Celeste: LEO-PNT steht für Lower Earth Orbit Positioning Navigation Timing. Ziel der Mission ist es, zu untersuchen, wie eine Flotte in der niedrigen Erdumlaufbahn (LEO) die Widerstandsfähigkeit und Robustheit von Navigationssystemen wie Galileo bei der Positionsbestimmung und Zeitmessung verbessern kann. Im Video (Englisch) seht Ihr, was solche Systeme können und wofür sie gebraucht werden.
FLEX (Fluorescence Explorer): Das Projektbüro dieser Mission sitzt in Jülich und wird zusammen mit der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR betrieben. FLEX wird die Fluoreszenz von Pflanzen weltweit messen, um deren Gesundheitszustand zu überwachen und unser Verständnis darüber zu vertiefen, wie Kohlenstoff zwischen Vegetation und Atmosphäre zirkuliert.
Die beiden Perspektiven – die nachhaltige Nutzung des Orbits und die Beobachtung der Erde – verbinden technische, ökologische und gesellschaftliche Dimensionen. So lässt sich das Thema Nachhaltigkeit aus verschiedenen Richtungen beleuchten und diskutieren.
Künstliche Intelligenz als Standard bei Raumfahrt-Missionen
Künstliche Intelligenz und datenanalytische Verfahren gehören schon länger zu den Standardinstrumenten der Raumfahrt: Sie unterstützen autonome Navigation, Missionsplanung, Systemüberwachung und die Auswertung großer wissenschaftlicher Datenmengen. Im „AI Inventory” der NASA lässt sich nachlesen, wie genau und auf welchen Missionen Künstliche Intelligenz bereits zum Einsatz kommt und auch die ESA gibt Auskunft über den laufenden und geplanten Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
Das Video zeigt den Mars Helicopter Ingenuity, gefilmt von der Kamera des Perseverance Rovers.
Gerade bei Missionen in den Deep Space – also weit jenseits von Erde und Mond – machen große Distanzen eine direkte Steuerung von der Erde aus unmöglich. Stattdessen übernehmen KI‑Systeme an Bord. Ein Beispiel hierfür ist der Mars-Rover der NASA, Perseverance (deutsch: Beharrlichkeit), der mittlerweile fast fünf Jahre auf dem Mars verbracht und dort ca. 40 Kilometer zurückgelegt hat. KI-gestützte Systeme helfen dem Rover, sich auf dem Mars zu orientieren und möglichen Gefahren aus dem Weg zu gehen. Eine Herausforderung hierbei sind die geringen Ressourcen bei Hard- und Software, die für den Rover zur Verfügung stehen. Der Algorithmus, der hinter diesem Mars-erprobten Navigationssystem steckt, heißt „Enhanced Autonomous Navigation”, kurz ENav, und wird in einem 2025 veröffentlichten Paper vorgestellt.
Mit der Zunahme von Satellitennetzwerken, Messkampagnen und Forschungsmissionen steigt auch der Bedarf an Fachkräften mit entsprechenden KI- und Datenanalysekompetenzen. Angesichts dessen werden Ausbildungs- und Projektformate, die solche Kompetenzen vermitteln, immer wichtiger.
Die Raumfahrt-Trends bei zdi.NRW
Raumfahrttrends wie internationale Kooperationen, neue Technologien und datenintensive Anwendungen geben auch klare Hinweise darauf, welche Kompetenzen für die kommenden Missionen relevant sind – und welche Kompetenzen Bildungsakteur:innen wie zdi.NRW unbedingt vermitteln sollten. Viele dieser Kompetenzen spiegeln sich auch in aktuellen Jugendstudien, wie der JIM-Studie 2025, wider: Jugendliche nutzen KI intensiv, stehen vor digitalen Herausforderungen und bewegen sich in einem Kontext, in dem interkulturelles Arbeiten und Medienkompetenz zunehmend gefragt sind.
KI-Kompetenzen
Die JIM-Studie 2025 zeigt, dass KI-Nutzung bei Jugendlichen weit verbreitet ist, jedoch nicht immer kritisch reflektiert wird. Inhalte zu KI sollten daher über die reine Anwendung hinausgehen und Aspekte wie Quellenkritik, algorithmische Transparenz, Bias-Erkennung und Datensicherheit adressieren. (Außerschulische) MINT-Bildungsangebote können die im Alltag genutzten Technologien in einen kompetenzorientierten Lernkontext einbetten.
Diese kritischen KI-Kompetenzen sind nicht nur für Raumfahrt-bezogene Anwendungen relevant, sondern für die digitale Selbstbestimmung junger Menschen insgesamt. Um junge Menschen im Umgang mit KI-Modellen kompetent anleiten zu können, müssen auch Dozent:innen verstehen, wie sie funktionieren. Hier kommen das zdi-KI-Lab und die zdi-Prompt-Pause ins Spiel: Die zdi-Community entwickelt gemeinsam KI-Lösungen für die tägliche Arbeit, testet, probiert und erlernt so KI-Kompetenz, die dann in die Projekte, Maßnahmen und MINT-Kurse getragen werden kann.
Bedeutung von Datenqualität für eine gerechtere Forschung:
Bei datenintensiven (KI-)Anwendungen ist es wichtig, Verzerrungen wie die Gender Data Gap zu erkennen und zu reflektieren. Gerade bei KI-Systemen, Sensordaten und Analysemodellen kann mangelnde Diversität zu falschen oder unfairen Ergebnissen führen. Was es genau mit der Gender Data Gap auf sich hat, könnt Ihr in im Unter der Lupe Beitrag „Wie wichtig vielfältige Perspektiven sind” nachlesen. Auch mit der zdi-Heldin und Astrophysikerin Dr. Suzanna Randall haben wir über darüber gesprochen, wie wichtig es ist, dass Astronaut:innen die Bevölkerung auf der Erde möglichst gut widerspiegeln. Bildungsangebote, die diese Fragestellungen behandeln, verbinden technische Grundlagen mit ethischer Reflexion und fördern so eine kritische Haltung gegenüber Daten- und Systemdesign.
Interkulturelle Kompetenzen

Internationale Kooperationen – sowohl in kommerziellen Raumfahrtprojekten als auch in staatlichen Programmen – erfordern interkulturelle Kompetenzen wie kommunikative Anpassungsfähigkeit, Teamarbeit über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg und Reflexion über kulturelle Unterschiede. Die moderne Raumfahrt ist kein nationales Projekt: Programme wie die Artemis-Mission werden in multilateralen Strukturen durchgeführt, an denen neben der NASA auch 59 weitere Nationen beteiligt sind, und in denen gemeinsame Standards und Praktiken entwickelt werden müssen. Die „Artemis Accords” etwa sind multilaterale Vereinbarungen zur Zusammenarbeit bei der Erforschung und friedlichen Nutzung des Weltraums.
In Kita, Schule, Hochschule und außerschulischer Bildung begegnen sich Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen – dies können ideale Bedingungen sein, um den Umgang mit Vielfalt zu trainieren. Für die Raumfahrt (und die Gesellschaft) bedeutet das: Viele Jugendliche bringen bereits heute vielfältige Sprachkenntnisse, kulturelle Perspektiven und unterschiedliche Familiengeschichten mit, die sie zu wertvollen Teammitgliedern in globalen Projekten machen können. Diese Erfahrungen gilt es zu fördern und zu nutzen.
zdi.NRW zeigt in vielen Kursen und an zdi-Schüler:innenlaboren, wie die Zusammenarbeit von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Startchancen und Hintergründen aussehen kann. Da sind zum Beispiel Angebote, die sich gezielt an Easy-to-ignore-Gruppen richten, bei denen häufig die Verbindung von MINT und Sprache eine Rolle spielt. Auch die Zusammenarbeit von zdi-Community und den Kommunalen Integrationszentren in NRW trägt dazu bei, dass die Teilnehmenden an zdi-Angeboten divers sind – und von dieser Vielfalt profitieren.
Praxis-Tipps und Material:
Spannende Materialien und Projekte findet Ihr auch auf den Seiten von zdi-Community-Partner ESERO Germany, dem Weltraum-Bildungsbüro der ESA in Deutschland. Neben vielen Inspirationen für den Unterricht und Lehrkräftefortbildungen werden auch Schulprojekte angeboten, die direkte Bezüge zu den Zukunftsthemen der Raumfahrt haben, wie die Climate Detectives oder der ESERO Germany – CanSat.
Ausblick
2026 verbinden sich technische Entwicklungen in der Raumfahrt mit Anforderungen an Kompetenzen, die auch aktuelle Jugendstudien als zukunftsrelevant identifizieren: digitale und KI-Kompetenz, systemisches Denken, Nachhaltigkeitsbewusstsein und interkulturelle Fähigkeiten. Für zdi-Angebote bedeutet dies, dass Raumfahrt-bezogene Inhalte nicht nur fachlich fundiert, sondern auch kompetenzorientiert vermittelt werden sollten. Die Verknüpfung von realen Raumfahrtprogrammen mit kritischer Reflexion über Daten, Mediennutzung und gesellschaftliche Anforderungen kann Lernende nachhaltig befähigen, sich in einer komplexen, vernetzten Welt zu orientieren und diese aktiv zu gestalten.