Unter der Lupe: Mit Game Design für MINT begeistern

Eine Woche lang strömen über 350.000 Gaming-begeisterte Menschen aus der ganzen Welt zur weltweit größten Gaming-Messe, um sich die neuesten Spiele anzusehen. Wer als Jugendliche:r die Messe besucht, träumt vielleicht davon, selbst einmal Karriere in der Spieleindustrie zu machen.

Game Designer:innen, Entwickler:innen, Animator:innen oder Artists – für alle diese Berufe wird ein gewisses Maß an MINT-Kenntnissen vorausgesetzt. zdi-Netzwerke in NRW bieten Kurse für Jugendliche, in denen sie erste Eindrücke und eine Übersicht der MINT-Berufe in genau dieser Industrie bekommen können.
Denn die Vielfalt der Berufsbilder ist groß: In der Spieleindustrie sind Game Designer*innen der Dreh- und Angelpunkt des Entwicklungsprozesses. Sie koordinieren das Team und versuchen, die Vision des Teams für jeden verständlich und erreichbar zu halten. Entwickler*innen beschäftigen sich mit dem harten Code, also der Programmierung des Spiels. Artists kümmern sich dagegen darum, was Spieler*innen beim Spielen sofort sehen: Das heißt Aussehen und Design der Spielwelt sowie der Spielfiguren. Animator*innen arbeiten an allem, was sich im Spiel bewegen soll, also Charaktere, Tiere, und vieles mehr.

Praxisnahe Einblicke in die Spieleindustrie

In zdi-Kursen ist Spieleentwicklung ein beliebtes Thema. Oswin Neumann und Michael Filipowski sind beide seit vielen Jahren in der Spieleindustrie aktiv und Dozenten für die zdi-Ferienkurse in der Games Factory Ruhr, einem Kompetenzzentrum für die IT- und Spielebranche in Mülheim an der Ruhr. Sie betonen, dass die Kurse auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland wichtig seien: „Die umsatzstarke Gamesbranche ist relevant wie nie zuvor. Der Bereich der Spieleentwicklung ist ein weites Feld mit vielen Teilbereichen und Spezialisierungen. Die Ferienkurse mit Fokus auf die grafische Gestaltung von Computerspielen sind ein Beitrag dazu, den Einstieg etwas zu erleichtern. So erhalten die Schülerinnen und Schüler vor ihrer eigentlichen Berufswahl die Möglichkeit, einen realitätsbezogenen Einblick in diese Bereiche zu erhalten.“

Drei Menschen sitzen vor einem Laptop.
Die Dozenten Oswin Neumann (l.) und Michael Filipowski (r.) zeigen einer Teilnehmerin des Games Factory Kurses im Jahr 2016, einige Tricks beim Programmieren von Spielen.

Dabei ist der Fachkräftemangel in diesem Bereich noch kein Problem. Im Vergleich zur amerikanischen oder – in Europa – französischen Spieleindustrie ist die deutsche recht klein und hat international nur mit relativ wenigen Spielen großes Aufsehen erregt. Zu diesen gehören u.a. die Shooter-Reihe Crysis oder die Strategiespielreihe Anno. Im heimischen Markt macht sie laut games – Verband der deutschen Games Branche e.V. nur 5,4% des Gesamtumsatzes an Spielen aus. Aber der Spielesektor in Deutschland wächst und die Nachfrage nach diversen Fachkräften steigt.

Sind MINT-Kurse im Gaming-Bereich vor diesem Hintergrund überhaupt sinnvoll? Ja, findet Ekkehard Hostert, zdi-Koordinator des zdi-Netzwerks Düsseldorf , das bereits Kurse in Kooperation mit einem Düsseldorfer Spieleentwickler anbietet: „Unsere Workshops wollen in erster Linie begeistern. Das Thema Gaming ist wirklich allen Schüler:innen bekannt: Zocken tut Jede:r. Wir können sie also hier an einem Punkt abholen, der für sie nicht neu ist. Mal zu schauen, wie eigentlich ein Computerspiel oder eine SpieleApp entsteht, liegt nicht so fern.“

Jemand sitzt an einem Computer und spielt ein Rennspiel.
Gaming begeistert: Mehr als 70% der Jugendlichen spielen regelmäßig.

Laut der JIM-Studie 2018, des medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest (MPFS), spielen 73% der männlichen sowie immerhin 43% der weiblichen Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 20 Jahren mindestens mehrmals pro Woche Videospiele. Das merken auch die Organisatoren der Kurse. „Die erste angebotene Gaming School war überbucht. Bei einer Fortsetzung würden alle Teilnehmenden wieder dabei sein wollen“, so Hostert. Auch wenn kein Mangel an Spielentwicklern besteht, seien Workshops zu diesem Thema wichtig. „Schließlich entstehen Spaß und ein Interesse an Methoden und Techniken der gesamten Informatikbranche“, betont Hostert.

Games Factory live: zdi.NRW war mit der Kamera dabei:

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Erlerntes vielseitiges einsetzbar

So lernen die Teilnehmenden in den Kursen u. a. mit einer ersten Programmiersprache umzugehen, den Umgang mit 3D-Software und die Logik eines Computers zu verstehen. Das diese Fähigkeiten im IT-Sektor nützlich sein können, ist selbstverständlich, denn Programmieren ist in vielen Fällen eine Kernkompetenz von Informatiker*innen.

Aber auch im Ingenieurswesen sind logisches Denken und der Umgang mit 3D-Software sehr gefragte Fähigkeiten. So müssen Ingenieur*innen das Bauteil vor der Produktion zunächst entwerfen. Mit Hilfe von Computerprogrammen können die Bauteile detailgetreu entwickelt und vor der Produktion auf ihre Belastbarkeit geprüft werden.

„Wichtig ist auch, dass die Teilnehmenden eine Idee entwickeln und umsetzen müssen, was Handlungskompetenz und Selbstreflektion fördert. Weiterhin spielt Fehlersuche eine wichtige Rolle. Und schließlich werden in den Gruppen Methoden des Projektmanagements eingeübt, die in schlechthin jeder Branche heute wichtig sind“, gibt zdi-Koordinator Hostert zu bedenken.

Wie sieht es später mit Jobchancen aus? Klar ist, die IT-Branche boomt in Deutschland: Fast jedes größere Unternehmen ist auf der Suche nach Fachkräften, da das Thema Digitalisierung immer wichtiger wird. Die deutsche Wirtschaft vermeldet seit Jahren einen Fachkräftemangel. So fehlen laut dem aktuellen MINT-Frühjahrsreport 2019 des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) deutschlandweit im IT-Bereich an die 59.000 Fachkräfte. 2014 fehlten dagegen „nur“ 19.000 Fachkräfte.

Ein Blick in die Zukunft

Doch nicht nur die Spieleentwicklung und -programmierung selbst muss bei der Verknüpfung von Game Design und MINT-Förderung im Fokus stehen. Die Begeisterung von Jugendlichen für Videospiele und Gaming bietet verschiedene weitere spannende Aspekte für die Kurskonzeption:
Gamification kann beim Lernen eine große Hilfe sein, indem es den Teilnehmenden spielerisch die neuen Inhalte vermittelt. In solchen Kursen wird vom Konzept des Frontalunterrichts abgerückt und den Teilnehmenden ermöglicht, das Themenfeld freier zu erkunden. Die Struktur kann dabei einem Videospiel-Level entsprechen, in dem die Teilnehmenden Aufgaben erfüllen müssen, um das Level abzuschließen. Spiele wie Minecraft, ein Spiel in dem Spieler*innen Ressourcen abbauen und daraus Gebäude errichten, können in Kursen angewendet werden, in denen es beispielsweise um Architektur oder Maschinenbau geht. Im Kreativmodus des Spiels können Teilnehmende Bauwerke errichten oder auch komplexe Maschinen bauen. Die Möglichkeiten reichen von Nachbauten bekannter Gebäude oder des eigenen Hauses bis hin zum Bau einfacher Computer.
Weitere Chancen bieten der Einzug der Virtual- und Augmented-Reality-Technologie in die Wirtschaft. Auch hier haben zdi-Netzwerke bereits erste einsteigerfreundliche Kurse im Programm.

Neugierig geworden, wie sich Games und MINT-Förderung verbinden lassen? Um dem MINT-Nachwuchs einen ersten Einblick in den Bereich Game Design und seine vielfältigen Anwendungsbereiche zu geben, bieten die zdi-Netzwerke über das Jahr verteilt verschiedene Kurse an. Das zdi-Kursangebot findet Ihr auf der zdi-Community-Plattform.

Welche Fähigkeiten braucht ein Game Designer?

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