Unter der Lupe: Jugendtrends bei der Berufswahl

Nie war die Jugend so vielfältig wie heute. Von den 15- bis 30-Jährigen hat fast jeder Dritte einen Migrationshintergrund. Und nie waren sie so meinungsstark, wertebewusst und gut informiert wie heute.
Dennoch tut sich diese aufgeklärte Generation schwer bei der Berufswahl; und das gilt schichtübergreifend. Dabei sucht der deutsche Technologie- und Wirtschaftsstandort dringend qualifizierten Nachwuchs.

zdi, ein wichtiger Baustein in der Berufs- und Studienorientierung in Nordrhein-Westfalen, hat in diesem Kontext bereits viel erreicht. Besonders die zdi-Netzwerke und zdi-Schülerlabore leisten einen wichtigen Beitrag. Gleichwohl arbeitet die zdi-Community beständig daran, noch mehr Jugendliche bei ihrer Berufs- und Studienorientierung zu unterstützen. Unter anderem hat zdi den Jugendbeirat gegründet.

Der folgende Text möchte einen kurzen Überblick zu aktuellen Trends Jugendlicher in Sachen Berufs- und Studienwahl geben.

zdi- Jugendbeirat

Der Jugendbeirat ist ein Gremium aus MINT-begeisterten Jugendlichen aus ganz NRW. Sie sind als Berater:innen tätig und können von allen zdi-Akteur:innen bei verschiedenen Fragestellungen oder Projekten hinzugezogen werden. Außerdem entwickeln sie eigene Projekte, die sie gemeinsam mit zdi.NRW umsetzen. Mit ihrer Partizipation soll das Angebot der zdi-Community noch jugendaffiner werden. Mitmachen können alle Jugendlichen aus NRW ab 13 Jahren, die sich für MINT begeistern.

Was erwarten die Jugendlichen vom Berufsleben?

Streben nach ausgewogenem und sicheren Arbeitsplatz

Viele junge Menschen streben nicht mehr eine Karriere um jeden Preis an. Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist ihnen wichtiger. Auch die Gehaltserwartungen haben sich geändert. Stand das Einkommen 2015 noch an erster Stelle der Karriereaspekte, ist es 2018 auf Platz drei gerutscht. An erster Stelle steht ein sicherer Arbeitsplatz gefolgt von einer guten Work-Life-Balance. Des Weiteren sind das Image eines Berufs und die damit verbundene soziale Anerkennung von Bedeutung.
Auch zum Thema Mobilität haben die Jugendlichen eine ausgereifte Meinung. Zu Beginn einer Ausbildung oder eines Studiums möchten die meisten von ihnen im Umkreis ihrer Familie und Freunde bleiben. Lediglich 12 Prozent der 15- bis 24-jährigen in Deutschland möchten für die Sekundärbildung ihr gewohntes Umfeld verlassen.

Als ein neues Kriterium für einen guten Beruf zählt für junge Menschen auch das Kriterium Selbstbestimmung, sprich die Möglichkeit zu persönlichen Auszeiten oder attraktiven Weiterbildungsangeboten.

Mehr Selbstbestimmung und Zusatzqualifikationen

Ebenfalls geändert hat sich die Einstellung junger Menschen Führungsverantwortung. Die Generation Z (geboren zwischen 1997 und 2012) gilt als eine, die einer Position mit viel Verantwortung und damit einhergehender ständiger Erreichbarkeit kritisch gegenübersteht. Wichtiger als Karriere und Führungspositionen ist der Erwerb von Zusatzqualifikationen. Denn diese erleichtern den Wechsel des Arbeitgebers.

Stimmen aus dem zdi-Jugendbeirat

Die Schülerin Anna-Marie weiß genau, welches Fach sie studieren möchte: Chemie mit Spezialisierung auf Informatik. Sie hat sich in verschiedenen Kursen und Workshops an Universitäten und Hochschulen über Studiengänge informiert. Bei Wettbewerben und Kursen von zdi hat sich ihr Berufswunsch dann gefestigt. „Besonders dankbar bin ich zdi, da ich meine Faszination für Informatik in einem Schülerlabor gefunden habe“ erklärt Anna-Marie. Außerdem hat sie eine klare Vorstellung von ihrem Arbeitsplatz: „Für meinen späteren Beruf ist mir wichtig, dass mein Arbeitgeber mich weiterbilden lässt, damit ich mich weiterentwickle und immer auf dem neusten Stand der Forschung bleibe. Mein Arbeitsplatz soll mir die Möglichkeit geben, viele Institute kennenzulernen und an exzellenter Forschung teilzuhaben.“

Die Schülerin Brishnan weiß noch nicht genau, welchen Beruf sie ergreifen möchte. Er sollte aber auf jeden Fall mit MINT zu tun haben. Ihren zukünftigen Arbeitsplatz stellt sie sich so vor:
„Mir ist es auf jeden Fall erstmal wichtig, dass ich etwas mache, was mir gefällt, mich interessiert und mir wirklich Spaß macht. Außerdem möchte ich ebenfalls, dass mein Arbeitgeber es akzepiert, wenn ich mal (kurzfristig) nicht mehr arbeiten kann oder weniger Stunden arbeiten möchte. Unabhängig davon fände ich es auch ziemlich gut, wenn ich im Home-Office bzw insgesamt digitaler arbeiten kann: Weniger Papierkram, mehr Tablets! „

Sinnhafte Tätigkeit und gute Jobchancen

Aktuelle Studien stellen ebenfalls fest, dass Berufseinsteiger nach einer sinnerfüllten Arbeit suchen. Besonders junge Akademiker, sind auf der Suche nach einer Arbeit, die zu ihnen passt. Dabei haben sie die Anforderungen, die die Arbeitswelt ihnen abverlangt, weniger im Blick. Dies erklärt sich u.a. damit, dass die Eltern der jungen Generation auf die Selbstentfaltung ihrer Kinder viel Wert gelegt haben.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist das gesunkene Ansehen hoher Bildungsabschlüsse. Die junge Generation beobachtet bei seinen Geschwistern, dass diese nicht immer Berufe fanden, die ihrem Abschluss angemessen waren. Laut einer weltweit repräsentativen Befragung von 16- bis 19-jährigen ist die Auswahl der Hochschule sehr pragmatischen Beweggründen unterlegen: Jobchancen, Lohnhöhe und Maßnahmen der Hochschule, die zum Durchhalten des Studium anregen.

Wo informieren sich Jugendliche?

Die Berufswahl wird von vielen Jugendlichen als schwierig empfunden. Das Befinden könnte mit „lost in multiple options“ beschrieben werden. Das ist bei etwa 20.000 Studiengängen und 330 Ausbildungsberufen mit Hunderten von Aufstiegsmöglichkeiten kein Wunder.

Internet ist das zentrale Medium

Das Internet ist das zentrale Medium von Jugendlichen. Etwa 89 Prozent sind täglich online. Das Smartphone wird sogar als „dritte Hand“ bezeichnet. Laut Selbsteinschätzung sind sie im Schnitt etwa vier Stunden täglich im Internet.

Eltern sind Berufsberater:innen Nr. 1

Und obwohl das Internet das zentrale Medium der jungen Generation ist, gilt es nicht als erste Adresse bei der Beruf- oder Studienauswahl. Erste Berufsberater:innen sind nach wie vor die Eltern. Etwa 70 Prozent der Jugendlichen recherchieren im Internet, aber weniger als die Hälfte fand dies wirklich hilfreich. Praktika in Betrieben empfinden etwa die Hälfte nützlich. Besonders schlecht schneiden Angebote wie Jobmessen, Broschüren, Austausch in sozialen Netzwerken, Informationstage von Unternehmen oder Hochschulen ab. Am wenigsten gut fühlen sich Jugendliche vom Jobcenter beraten. Immerhin fühlt sich jeder Vierte im Gespräch mit einem Lehrkörper gut beraten.



Eltern werden also mit Abstand als die größte Hilfe wahrgenommen. Denn oft sind die Eltern diejenigen, die ihre Sprösslinge am besten kennen. Dies verdeutlicht auch die 18. Shell-Jugendstudie von 2019, laut der Familie und soziale Beziehungen mit Abstand die wichtigsten Werteorientierungen darstellen. Und zwar noch vor Eigenverantwortlichkeit und Unabhängigkeit.

Zum Nachdenken

Aber an wen wenden sich Jugendliche, deren Eltern mit eigenen Problemen ausgelastet sind und das Vertrauensverhältnis zwischen Kind und Eltern nicht das Beste ist?
Jugendliche der untersten Herkunftsschicht fühlen sich deutlich stärker benachteiligt und fremdbestimmt. Und das obwohl der eine hohe Leistungsethik bei den Jugendlichen schichtübergreifend ist. Ehrgeiz ist kein typisches Verhalten der Mittelschicht, sondern ist auch für die oberste und die unteren Schichten ein Leitmotiv.

Welche Themen haben bei jungen Menschen eine hohe Bedeutung?

Junge Menschen finden Bildung für nachhaltige Entwicklung sehr wichtig. Laut der Studie „Zukunft? Jugend fragen!“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) von 2018 sollten Bildungsangebote zu Nachhaltigkeitsthemen weiter ausgebaut werden. In dieser Studie wurden über 1.000 junge Menschen zwischen 14 und 22 Jahren befragt.

Fast drei von vier Jugendlichen betrachten Umweltbewusstsein als einen der wichtigsten Werte in ihrem Leben überhaupt. 2002 waren es noch 60 Prozent der befragten Jugendlichen. Neben dem politischen Engagement hat kein anderer Wert bei jungen Menschen so stark an Relevanz zugenommen.
Neben Umweltschutz stehen soziale Gerechtigkeit, soziale Verantwortung und nachhaltige Lebensführung bei Jugendlichen hoch im Kurs wenn es um gesellschaftliche Fragen geht. Dabei ist ihnen Verbindlichkeit sehr wichtig.

Schauen wir uns an, was Jugendlichen für ihr persönliches Glück Relevanz hat, äußern viele (Selbst-)Achtsamkeit, Gesundheit, Inklusivität und Diversität. Ebenfalls bestehen jungen Menschen mehr auf Agieren auf Augenhöhe. Traditionelle Hierarchien werden von vielen jungen Menschen abgelehnt.

Nutzen wir das Wissen um die Belange junger Menschen!

Das ausgeprägte Umweltbewusstsein der jungen Generation und ihr Wertekanon sind wichtige Hebel bei der Ansprache des jungen Fachkräftenachwuchses. Berufs- und Studienorientierung könnten thematische Schwerpunkte haben wie:
• Umwelt- und gesundheitsbewusste Ernährung
• Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Technologie
• Gesundheit für alle / Fitness
• Wie kann die Digitalisierung genutzt werden?


Das geamte Kursangebot von zdi finden Sie auf der zdi-Community Plattform.

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