Umweltschutz geht uns alle an – ein Themendossier

Die Themen Umweltschutz und Bekämpfung des Klimawandels stehen im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und haben großen Einfluss auf Wirtschaft und Politik. Aber auch das Leben jedes/r Einzelnen ist unterschiedlich stark betroffen. Viele junge Menschen möchten die Situation verändern und engagieren sich verstärkt für eine nachhaltige Umweltpolitik.

Der Umweltschutz, wie wir ihn heute kennen, ist noch nicht so alt. In Deutschland gilt die Forderung von Willy Brandt „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden“ als Meilenstein. Das war 1961, als im Ruhrgebiet die Luftverschmutzung bisher ungekannte Ausmaße angenommen hatte. Mit seiner Forderung rückte Brandt ein Thema in den Fokus, dass so bisher noch keine gesellschaftliche Aufmerksamkeit genoss.

Wie kam es dazu, dass der Umweltschutz heute ein so zentrales Element unseres Lebens ist? Und was wird heute dafür getan, damit dieser Planet ein lebenswerter bleibt?

Eine Industrielandschaft irgendwo in Europa / Foto: Chris LeBoutillier on Unsplash

Sekündlich aktualisierte Grafik, die die genutzten und erzeugten Ressourcen sowie die Folgen für das Klima und unsere Umwelt veranschaulicht.

Eine kurze Geschichte des modernen Umweltschutzes

Die Geschichte des Umweltschutzes ist so alt wie die Geschichte des Menschen selbst. Besonders mit dem Aufkommen der Landwirtschaft, dem Abbau von Ressourcen und der starken Vermehrung des Menschen vor etwa 6000 Jahren bekam der Einfluss des Menschen auf seine Umwelt eine neue Qualität.

60 Jahre nach Willy Brandts’ prominenter Forderung hat die Luft im Ruhrgebiet wieder eine lebenswerte Qualität. Allerdings sieht die Menschheit sich derzeit mit anderen Folgen der Umweltverschmutzung konfrontiert. Der Klimawandel sorgt für Hitzewellen, Starkregen und Überschwemmungen sowie Artensterben.

Die 60er: Luftverschmutzung im Ruhrgebiet und Atomkraftgegner

Für viele Experten ist die Gründung von Greenpeace 1971 ein Meilenstein in der Geschichte des heutigen Umweltbewusstseins. Am 15. September 1971 machen sich Friedensaktivisten des kanadischen „Don’t Make a Wave Committee“ mit dem Fischkutter „Phyllis Cormack“ von Vancouver aus auf den Weg zur Aleuten-Insel Amchitka. Mit der Aktion „Greenpeace“ sollte ein US-Atomtest verhindert werden.

Aber schon in den 60ern sieht sich die Politik gezwungen, Bürger:innen vor der den Folgen der rasant wachsenden Industrie zu schützen. So bewog die Luftverschmutzung im Ruhrgebiet die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen zur Verkündung der ersten SMOG-Verordnung in Deutschland. Vorausgegangen war die SMOG-Krise im Ruhrgebiet 1962, aufgrund derer die Sterbequote in dieser Region um etwa 20 Prozent anstieg.

 Foto: blowup on Unsplash

Die 70er: Müllberge und Giftstoffe geraten in den Fokus

Ab Mitte der 70er Jahre geht es auch der unkontrollierten Entsorgung von Abfällen an den Kragen. Im ersten Umweltbericht der Bundesregierung (1970) schätzen die Autoren die Zahl der wilden Kippen bundesweit auf 50 000. Noch gibt es in der Bevölkerung kein Bewusstsein dafür, dass das industrielle System wertvolle Rohstoffe in nutzlosen Abfall verwandelt. Auch nicht für die gefährlichen Stoffgemische auf Deponien und ihr Potenzial für kaum zu kontrollierende Bio- und Chemiereaktionen.

Zugleich geraten andere giftige Stoffe in den 70ern in den Fokus: Blei im Benzin (erst 1988 wird Benzin bleifrei) oder Asbest, was zum Brandschutz in Gebäuden eingesetzt wird. Der Einsatz von Asbest wird in Deutschland erst 1993 verboten.

Die 80er: Waldsterben und Tschernobyl

In den 80er Jahren steht besonders das Waldsterben, ausgelöst durch sauren Regen, und die starke Luftverschmutzung im Mittelpunkt der Umweltdebatte. Ganz besonders aber schockiert weltweit die Tschernobyl-Katastrophe. Die Anti-Atomkraft-Bewegung bekommt höhere Medienaufmerksamkeit und viele Bürger:innen erhalten somit mehr Zugang zu Informationen über die Gefahren der Atomenergie.

Die 90er und 2000er: Internationale Zusammenarbeit und Innovative Technologien

In den 90er Jahren wird Umweltpolitik immer globaler. 1992 beschließen beispielsweise die Vereinten Nationen in Rio die erste internationale Klimakonvention. Sie soll die Ursachen der Klimaerwärmung bekämpfen. Und das Kyoto-Protokoll von 1997 legt für Industrieländer verbindliche Ziele zur Treibhausgasminderung fest.

Entsprechend dieser Entwicklung verändern sich auch unsere Sprache und der Anspruch an umweltbewußtes Handeln. So gehen Begriffe wie Nachhaltigkeit in den allgemeinen Sprachgebrauch über. Und der Nachweis nachhaltigen Handelns ist an Erfolg gekoppelt, denn er steigert die positive Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.

Auch die Industrie und Forschung muss sich der Situation anpassen. Zunehmend werden Technologien entwickelt, die die Wiederaufbereitung aller Arten von Altstoffen wirtschaftlich machen, wodurch sich Abfall zu einem bedeutenden Wirtschaftsgut entwickelt. Damit setzt die Industrie verstärkt auf Recycling, auch bei Elementen, deren Vorkommen begrenzt sind oder deren Gewinnung aufwändig ist.

Umweltschutz in Deutschland und NRW

Umwelttechnologie aus Deutschland ist international gefragt. Das Label „Made in Germany“ steht weltweit für hohe Standards, Qualität und Verlässlichkeit.

Neben seiner ökologischen Bedeutung hat die GreenTech-Branche eine hohe wirtschaftliche Bedeutung für Deutschland. Darüber berichtet der Umwelttechnik-Atlas 2021 des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

Seit Jahren schon, stellen deutsche Ministerien auf Bundes- und Landesebene Fördergelder, für die Entwicklung oder auch Nutzung innovativer Umwelttechnologien zur Verfügung. Im Jahr 2000 erregt ein deutsches Gesetz international Aufmerksamkeit; das Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien (EEG) fördert Strom aus Wind und Sonne per Gesetz. Viele Staaten werden später diesen Ansatz kopieren.

Die Umweltschutz-Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen basieren auf der Nachhaltigkeitsstrategie NRW. Dieses Papier stellt die Beiträge Nordrhein-Westfalens zur Umsetzung der globalen Agenda 2030 dar.
Wie der aktuelle Umweltzustandsbericht zeigt, entwickeln sich viele Umweltindikatoren in NRW positiv. So ist der Ausstoß an Treibhausgasen in 2019 um 38 Prozent zum Bezugsjahr 1990 gesunken. Auch die Feinstaubbelastung in den Städten in NRW ist kontinuierlich gesunken und liegt deutlich unter den Jahresgrenzwerten.

Besonderen Handlungsbedarf in NRW sieht das Ministerium derzeit bei den Themen Flächenverbrauch, Nutzung unserer Wasserressourcen und die Aufforstung der Wälder.

Einige der wichtigsten Umweltschutzorganisationen in Deutschland

Deutscher Naturschutzring
BUND – für Naturschutz und Umwelt Deutschland
Greenpeace
DAV – Deutscher Alpenverein
NABU – Naturschutzbund Deutschland
Robin Wood – Gewaltfreie Aktionsgemeinschaft für Natur und Umwelt e.V.
Peta (People for the Ethical Treatment of Animals)
NaturFreunde Deutschlands
DRK Wasserwacht
Schutzgemeinschaft Deutscher Wald
WWF – World Wide Fund For Nature
B.A.U.M. – Bundesdeutsche Arbeitskreis für umweltbewusstes Management
Primaklima
Deutsche Umwelthilfe e.V.
Verein | Bergwaldprojekt e.V.

Umweltschutz bei zdi

Aufgrund der drängenden Klimaprobleme sind MINT-Fachkräfte, die zeitnah innovative und technologische Lösungen entwickeln, mehr denn je gefragt. Und hier kommt die Gemeinschafsoffensive zdi ins Spiel, die versucht junge Menschen für MINT-Berufe und –Studiengänge zu begeistern. Somit trägt zdi dazu bei, dass Schüler:innen sich mit aktuellen Problemen befassen und Möglichkeiten finden, ihre Zukunft zu gestalten.

zdi-Roboterwettbewerb

Das Thema Umweltschutz genießt bei zdi einen hohen Stellenwert. Besonders erwähnenswert ist der zdi-Roboterwettbewerb 2021. Das Thema lautet „Umwelt-Heldinnen – mit Technik für den Umweltschutz“. Bei diesem landesweiten Wettbewerb programmieren Schüler:innen einen Lego-Roboter. Dieser muss Aufgaben auf einer Spielmatte erledigen, zum Beispiel Bäume pflanzen, einen Solarradweg bauen oder Ladesäulen installieren.
Der zdi-Roboterwettbewerb hat das Thema Umweltschutz bereits viele Male aufgegriffen.

Außerschulische Angebote für Schüler:innen

Neben diesem jährlich einmaligen Ereignis bietet zdi mit seinen regionalen Netzwerken und Schülerlaboren viele Kurse und Feriencamps mit einem ökologischen Schwerpunkt. Schüler:innen beschäftigen sich dort praxisorientiert mit Themen wie Recycling, Kreislaufwirtschaft oder Urban Gardening. Auf der MINT-Community-Plattform können sich MINT-Interessierte einen Überblick über das gesamte Kursangebot In Nordrhein-Westfalen verschaffen.

Einige der zdi-Schülerlabore haben sich sogar auf Fachbereiche des Umweltschutzes spezialisiert, wie zum Beispiel das GeoIT – digitales Mensch-Umwelt Schülerlabor in Wuppertal oder das zdi-Schülerlabor Energie des zdi-Zentrums Kreis Kleve.

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