Spotlight-Story | Klischeefrei weiblichen MINT-Nachwuchs gewinnen – Tipps für Unternehmen

Mit der Frage, wie Unternehmen Mädchen und junge Frauen für MINT-Berufe gewinnen können, hat sich Dr. Inga Zeisberg vom zdi-Zentrum Münster beschäftigt. In ihrem folgenden Essay beschreibt sie, welche Vorurteile noch immer existieren und wie es gelingt, diesen zu begegnen. Und sie gibt zahlreiche Anregungen für Unternehmen, die klischeefrei Mädchen ansprechen möchten.

In Aktionsmonaten wie dem „zdi Heldinnen-Oktober“ liegt der Fokus klar auf der Nachwuchsgewinnung von jungen Frauen für naturwissenschaftlich-technische Berufe. Obwohl seit Jahren ein Wandel stattfindet und der Anteil von Frauen in den typisch männlichen Berufen sich stetig erhöht, ist eine annähernde Gleichverteilung noch ein weiter Weg. Diese ist nicht nur deswegen erwünscht, weil gemischte Teams nachweislich kommunikativer und effektiver arbeiten, sondern auch, weil Frauen in diesen Berufen ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen und eine Familie ernähren können. Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die bei jungen Frauen immer eine große Rolle bei der Berufswahl spielt, gehört eben nicht nur eine familienfreundliche Arbeitszeit, sondern auch ein angemessen hohes Gehalt. Berufe, zum Beispiel aus der IT-Branche, bieten diese Gehälter und zusätzlich eine gewisse Zukunftsfähigkeit. Viele dieser neuen technischen Berufe bieten auch die Gelegenheit, die Welt nachhaltig mitzugestalten, was ein weiteres Kriterium für junge Frauen bei der Berufswahl darstellt.

Wer sich zum Theme näher austauschen möchte, kann sich an die Koordinatorin des zdi-Zentrums wenden:

zdi-Zentrum m³
Dr. Inga Zeisberg
Telefon:0251 – 83 36198
zeisberg@uni-muenster.de

Frauen im Handwerk – Klischees überwinden

Aber auch Berufe im Handwerk haben Zukunft, sind kreativ und gestalterisch und natürlich ebenso für Mädchen wie für Jungen geeignet. Möchten Unternehmen aber junge Frauen für sich gewinnen und hat bislang nur Bewerbungen für Ausbildungsstellen von Jungen erhalten, ist eine Überarbeitung des Profils, der Außendarstellung und der Haltung insgesamt ratsam. Diese legt den Fokus nicht nur auf die explizite Ansprache von Mädchen, sondern hat auch zum Ziel, das Arbeitsklima insgesamt zu verbessern, denn was gut ist für die jungen Frauen, wird den jungen Männer nicht schaden.

Besonders anschaulich werden diese Ansätze, wenn sie zusammen mit den vorherrschenden Klischees von Frauen im Handwerk betrachtet werden. Die im Folgenden genannten sind die offensichtlichsten, bekanntesten und dienen einer ersten Sensibilisierung für das Thema der klischeefreien Nachwuchsgewinnung. Nach dessen Lektüre und Selbstanalyse, ist der Blick sicher schon geöffnet für Veränderungen im Kleinen oder sogar im Großen und soll nur als Einstieg dienen für die Suche nach dem eigenen Weg, um den weiblichen Nachwuchs von morgen klischeefrei zu gewinnen.

„Frauen sind zu schwach fürs Handwerk“

Bei Frauen liegt die Lastobergrenze bei empfohlenen 25kg, bei Männern sind es 40 kg. Da es aber sowohl kräftige Frauen wie auch schmächtige Männer gibt und letztere ganz sicher auch in einem Ihrer Betriebe, scheint es für die gesamte Belegschaft sinnvoll zu sein, ein Konzept für das Tragen von schweren Lasten vorzuhalten. So wird die Gesundheit aller erhalten und Frauen erhalten keine Sonderbehandlung. Vielmehr wirkt hier die fürsorgliche Haltung des Arbeitgebers auf alle Arbeitnehmenden des Betriebes sich positiv aus.

„Die Sachen passen mir doch eh nicht.“

Warum die Arbeitskleidung für Frauen im Handwerk teurer ist als für Männer, wird nicht eindeutig kommuniziert. Das sollte aber Arbeitgeber nicht davon abhalten, in passende Kleidung für Frauen zu investieren. Das hat weniger mit Eitelkeit der Frauen, als vielmehr auch mit Sicherheitsaspekten zu tun – schlabbert die Jacke, passen die Handschuhe? Hier lohnt sich ein Gespräch mit den Frauen im Betrieb und eine wertschätzende Haltung in Bezug auf den Beschaffungswillen.


„Männer verdienen mehr als Frauen.“

„Über Geld spricht man. Punkt“, sagt Henrike Platen, Geschäftsführerin von Fair Pay Innovation Lab. Gemeint ist nicht, dass alle Arbeitnehmenden das gleiche Geld verdienen sollen, sondern vielmehr, dass transparent kommuniziert wird, warum welches Gehalt gezahlt wird. Wenn es dann noch alle nachvollziehen können, ist eine faire Bezahlung vollzogen und das Vorgehen stellt ein großes Plus für junge Frauen dar. 




„Umgang mit Klischees: Bewusste Haltung, bewusste Sprache“

Nicht nur Bilder sprechen eine eindeutige Sprache und so wird an jeder Stelle darauf hingewiesen, dass die Fotos im Internet und auf Flyern bitte auch Frauen in aktiven Rollen zeigen sollen. Auch die Sprache ist entscheidend: Sind Frauen nur mitgemeint oder werden sie aktiv angesprochen? Entwickeln Sie eine bewusste Haltung, machen Sie sich klar, warum Sie Frauen in ihrem Team wünschen, dann klappt es auch mit der geschlechtergerechten Sprache. Auch Stellenanzeigen können diese Haltung widerspiegeln.

Tipp: Sie haben eine weibliche Auszubildende in ihrem ansonsten von Männern dominerten Betrieb?

Lassen Sie die Auszubildende nicht alleine! Sie ist jung und muss sich erst in ihre neue Rolle einfinden. Suchen Sie den Kontakt zu anderen Betrieben mit ebenfalls weiblichen Auszubildenden und lassen Sie einen Peer-Group-Austausch zu. Oder Sie arbeiten schon mit einigen Frauen zusammen? Stellen Sie der Auszubildenden eine Mentorin zur Seite. Dieses Konzept ist natürlich auch für die männlichen Azubis denkbar, denn beide sind noch Lernende und können sicher gute Zusprache gebrauchen.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren

Ausbildung

Traumberuf Dachdeckermeisterin – Marion Meissner im Portrait

Ausbildung

Dem Mangel entgegenwirken – Schüler:innen mit MiLeNa für den Beruf als MINT Lehrer:in begeistern

Ausbildung

1. Advent | CO2-Ampeln für Schulen – Berufs- und Studienorientierung