Portrait: Karin Ressel vom Technikzentrum Minden-Lübbecke

Das Foto zeigt Karin Ressel. Sie trägt ein rotes Hemd auf dem Talenthaus steht und lächelt in die Kamera.

In diesem Heldinnen-Oktober möchten wir Frauen aus der MINT-Community in den Fokus nehmen, die einen ganz besonderen Beitrag zur MINT-Bildung in NRW leisten. Beginnen möchten wir mit Karin Ressel, Leiterin des Technikzentrums Minden-Lübbecke e.V.. Wir haben sie im August in ihrem Technikzentrum besucht. „Ihr” Technikzentrum? Warum das in diesem Fall tatsächlich zutrifft, erfahrt Ihr im Beitrag.

Eintauchen in eine andere Welt

Das Foto zeigt die Einfahrt des Technikzentrums. Es hat die Hausnummer 36, darunter steht Zigarrenfabrik. In einem hölzernen Info-Kasten finden sich Informationszettel zum Technikzentrum und zur Talentfabrik.

Wenn man das Technikzentrum betritt, fühlt man sich wie in einer anderen Welt. Das alte, denkmalgeschützte Gebäude war früher eine Zigarrenfabrik. Von außen wirkt es riesig, aber unscheinbar – doch im Innern erwartet einen eine Oase voller spannender Objekte. An den vielen bunten, vollen Regalen kann man sich gar nicht satt sehen. Hier gibt es alles, was das Bastlerherz begehrt: von Kupferrohren über Holzklötze bis hin zu Magneten und Federn.

Das Technikzentrum ist ein Ort, an dem Schüler:innen und Erwachsene die Grundlagen der Technik spielerisch erlernen können. Die Talenthaus-Workshops, die hier angeboten werden, haben einen besonderen Fokus auf Mädchenarbeit, denn Karin Ressel möchte mehr Frauen für technische Berufe begeistern. Aber auch Jungen und Erwachsene sind willkommen, um hier zu experimentieren und zu gestalten.

Begeisterung für Technik

Karin Ressel ist eine Frau mit einer Vision. Sie möchte die Menschen für Technik begeistern, indem sie in ihren Kursen Objekte verwendet, welche die Menschen intrinsisch ansprechen. Die Objekte müssen die Menschen neugierig machen, sie müssen sie herausfordern und sie zum Verstehen anregen. Ressel sucht nicht nur selbst regelmäßig nach solchen Objekten, sondern entwickelt sie auch selbst.

Das Foto zeigt mehrere Ringe, die aus einem Kupferrohr geschnitten wurden. Links im Bild liegen rohe, unbearbeitete Ringe. In der Mitte auf Handständern sind bereits bemalte Ringe aufgesteckt. Im Vordergrund stehen Nagellack-Fläschchen.

Ein Beispiel dafür ist ein Workshop, in dem die Teilnehmer:innen aus Kupferrohren Ringe herstellen können. Dabei lernen sie nicht nur etwas über das Material und seine Eigenschaften, sondern auch über das Handwerk und die Ästhetik. Die Grundlagen-Kurse zu 16 Berufsfeldern, von Bau / Architektur / Vermessung über IT und Maschinenbau bis hin zu Technik und Naturwissenschaften stellen eine gute Ergänzung zum weiterführenden zdi-Kursprogramm dar. Aber auch Berufsfelder außerhalb der MINT-Bereiche, wie Gastronomie, Gesundheit, Pädagogik oder Verwaltung werden abgedeckt. Die Kursinhalte stehen in verschiedenen Schwierigkeitsstufen zur Verfügung, um unterschiedliche Bedarfe abbilden zu können.

Um die Qualität der Kurse zu garantieren, werden die Kursteilnehmenden von Pädagog:innen bei der Arbeit im Kurs beobachtet. Um eine anonymisierte Auswertung dieser Beobachtungen zu gewährleisten, werden diese in Laufmappen festgehalten, die mit Nummern statt mit Namen versehen sind. Die Teilnehmenden tragen entsprechend ebenfalls eine Nummer, mit der die Beobachtungen zugeordnet werden können. Dies ermöglicht eine dezidierte Aussage sowohl über die Fertigkeiten der Teilnehmenden, als auch über die Eignung der Kurs-Module. Zusätzlich können auch die Teilnehmenden selbst Feedback zu den Kursen geben. So kann das Angebot den Bedürfnissen der Dialoggruppe angepasst werden.

Die Kurse bringt Ressel auch Schulen näher. Sie führt selbst Workshops durch, leistet Unmengen an Netzwerkarbeit und kooperiert mit verschiedenen Institutionen und Vereinen. Sie ist eine leidenschaftliche Vermittlerin von Technik, die es versteht, die Lehrer:innen für ihre Angebote zu gewinnen – auch Dank der spannenden Objekte, die in den Kursen gebaut, gebastelt, gelötet und geschraubt werden können.

Das Foto zeigt Karin Ressel in einem der Räume des Technikzentrums. Vor ihr stehen verschiedene Gerüstteile, im Hintergrund sieht man ein Regal voller Laufräder.

Auch verschlungene Wege führen zum Ziel

Ursprünglich wollte Karin Ressel einmal Maschinenbau studieren. Stattdessen schlug sie eine Beamtinnenlaufbahn ein – und bereut dies nicht wirklich: „Ich hätte in meinem Leben viel weniger Menschen helfen können, wenn ich mich nicht so gut mit den Fallstricken der deutschen Bürokratie auskennen würde“, sagt sie und bezieht sich damit auf die vielen Menschen, die über das Technikzentrum schon eine Beschäftigung, Weiterbildung oder einfach einen Ort zum Lernen und Wohlfühlen finden konnten.

Bereits 1994 gründete Karin Ressel gemeinsam mit 60 Frauen den Verein, der der Ausgangspunkt des Technikzentrums werden sollte. Als der damalige Standort des Vereins abgerissen werden sollte, stand der Verein kurz davor, obdachlos zu werden. Auf der dringenden Suche nach einem Standort entdeckte Karin Ressel 2009 die denkmalgeschützte Zigarrenfabrik – und kaufte sie ohne großes Zögern selbst. „Die Fabrik ist auf die nächsten 30 Jahre von mir an den Verein verpachtet. So kann uns niemand mehr das Dach über dem Kopf wegnehmen“, freut sich Ressel und bereut den Kauf bis heute nicht.

Die Lorbeeren für das Engagement

Für ihren unermüdlichen Einsatz erhielt Karin Ressel 2016 das Bundesverdienstkreuz. Was ihr diese Auszeichnung bedeutet? „Was für andere der Doktortitel ist, ist für mich das Bundesverdienstkreuz. Menschen begegnen einem anders, wenn man eine solche Auszeichnung hat. Es ist eine Anerkennung für meine Arbeit und eine Motivation, weiterzumachen.“

Als inspirierende Persönlichkeit verbunden mit jeder Menge Tatendrang und einer Vision, leistet Karin Ressel mit ihrem Technikzentrum einen wertvollen Beitrag zur Bildung und zur Förderung von Frauen in technischen Berufen.

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