Mechatronikerin aus Leidenschaft – Sophie Charlotte Keunecke im Portrait

Sätze wie „Informatik ist doch nichts für Mädchen!“ sind nicht nur Unfug. Angesichts des MINT-Fachkräftemangels ist diese Haltung sogar problematisch. Dass Frauen in technischen Berufen genauso ihren Mann stehen können, ist längst klar. Zu diesen Frauen gehört auch Sophie Charlotte Keunecke. Mit zwölf Jahren hat sie ihren ersten Roboter programmiert und ist nun Promovierende am Institut für Getriebetechnik, Maschinendynamik und Robotik der RWTH Aachen. Die 26-Jährige hat sich auf Robotik spezialisiert und forscht auf dem Gebiet der Automatisierungstechnik.

Sie ist Mechatronikern aus Leidenschaft. Das hat ihr geholfen, die ein oder andere Hürde zu nehmen. Und sie möchte diese Leidenschaft an junge Menschen weitergeben.

Humanoide Roboter haben es Sophie Charlotte Keunecke besonders angetan. Hier ist sie mit Nao und Pepper zu sehen. Foto: privat

Die Leidenschaft ist ein wichtiger Motor

Wenn man sich im Informatikbereich so umschaut, ist die Dominanz von Männern offensichtlich. Sophie kann das nicht wirklich nachvollziehen. „Es ist egal, ob Du ein Junge oder ein Mädchen bist, es kommt nur darauf an, was Du erreichen willst und wie viel Du dafür tust“, davon ist Sophie Charlotte Keunecke überzeugt. Ihre Leidenschaft für Robotik hört nach Feierabend nicht auf. Denn einen Teil ihrer Freizeit widmet sie der Förderung von jungen Menschen.

Während ihres Bachelor-Studiums an der Universität Bochum arbeitete sie beim zdi-Netzwerk Bochum. Sie ist zdi treu verbunden und beispielsweise in diesem Jahr Jurorin beim zdi-Roboterwettbewerb. Foto: privat

Sie selbst machte erste Roboter-Erfahrungen an der Schule bei einem Open Roberta und vertiefte dann ihre Programmierungskenntnisse mit Open Roberta. Mit der kostenfreien Software ist es ihr gelungen, tiefer in die Programmierung und ihr Verständnis für Roboter einzusteigen. „Open Roberta hat mir für viele technische Aspekte die Augen geöffnet. Denn es erklärt sehr schwierige Sachverhalte auf einfache Weise“ sagt Keunecke.
Heute hilft ihr die Software dabei, junge Menschen für Robotik zu begeistern. Es ist einfach, es ist bunt und verbindet viele Fachbereiche, wie Mathematik, Information oder Konstruktion, miteinander.

Leidenschaft zum Beruf gemacht

„Junge Menschen sollen machen, was ihnen Spaß macht! Und zdi hilft dabei, herauszufinden, was Spaß macht.“ Foto: privat

Humanoide Roboter haben es Sophie Charlotte Keunecke besonders angetan. Aber noch ist dieser Zweig in Deutschlands Wirtschaft sehr klein. Während Japan auf diesem Gebiet den Ton angibt, ist der Einfluss der hiesigen Forschung und Industrie eher stark im Bereich der Automatisierung von Prozessen vertreten. So auch ihr derzeitiger Arbeitgeber, das Institut für Getriebetechnik, Maschinendynamik und Robotik der RWTH Aachen.

Ihr Fachbereich „Robotik und Mechatronik“ forscht hauptsächlich in der Industrierobotik und Automatisierungstechnik. Das betrifft beispielsweise große Montageanlagen in der Automobilindustrie oder Schweiß- und Lackierbetriebe; also für wiederholt auftretende Arbeiten. Und wegen der derzeitigen Energiekrise und der wachsenden gesellschaftlichen Aufmerksamkeit wird in der industriellen Fertigung zunehmend Wert auf die Energieeffizienz gelegt. Diese kann durch neue Konzepte in der Anlagen- und Prozessplanung gesteigert werden.

Eine Möglichkeit zur Steigerung der Energieeffizienz eines Roboters besteht z. B. in der Planung energieoptimierter Bewegungen. Ganz einfach gesprochen bedeutet das für den Roboter, dass seine Bewegungen so flüssig und mit so wenigen Unterbrechungen wie möglich berechnet werden müssen. Aber auch bei der Herstellung von Leichtbauteilen für Roboter lässt sich Energie einsparen, indem man etwa eine CNC-Maschine bestmöglich voreinstellt und programmiert.

Ihr Tipp: Raum für Leidenschaft geben

Besonders begeistert ist Sophie Charlotte Keunecke, wenn es ihr gelingt, junge Frauen auf ihr Potential aufmerksam zu machen. Oft sagen Mädchen in ihren Kursen: „Ich kann das eh nicht.“ Diese Hürden in den Köpfen von Mädchen und junger Frauen müssen weg. Dafür setzt sich Keunecke ein.

Sie glaubt, dass mit Bi-Edukation Mädchen in MINT–Fächern mehr Raum für Förderung eingeräumt werden kann. Im Laufe ihres Studiums und ihrer Arbeitszeit ist sie nur wenigen Frauen in ihrem Fachgebiet begegnet. Aber viele der wenigen waren auf einem reinen Mädchengymnasium.

Bi-Edukation (oder parallele Mono-Edukation) bedeutet, Mädchen und Jungen temporär getrennt zu unterrichten. Vor allem in solchen Fächern, in denen sich geschlechtsspezifische Leistungs- oder Interessenunterschiede zeigen. Einige Gymnasien in NRW praktizieren das bereits. Das Erzbischöfliche St. Joseph-Gymnasium in Rheinbach gestaltet die Sekundarstufe 1 bi-edukativ. Ziel ist es, auf die große Umbruchszeit der Pubertät bei beiden Geschlechtern Rücksicht zu nehmen. Bi-Edukation soll die Persönlichkeitsentwicklung (weitgehend) losgelöst von der Geschlechterrolle fördern. Auch das St. Hildegardis-Gymnasium in Duisburg verfolgt diesen Ansatz, um besser auf die biologischen und sozialen Unterschiede von Mädchen und Jungen eingehen zu können.

Spannende MINT-Kurse für Mädchen, die sich mit MINT-Themen auseinandersetzen möchten, gibt es auf unserer zdi-Community-Plattform!

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