Gladbacher zdi-Netzwerk geht mit digitaler Kommunikation innovativ durch die Krise

Was tun, wenn sich Partnertreffen nicht realisieren lassen? Wenn physischer Kontakt untersagt ist? Wie kann Netzwerkarbeit dann funktionieren? Die aktuelle Situation aufgrund der Corona-Pandemie zwingt die zdi-Community dazu, zahlreiche neue Lösungen für die Arbeit zu finden. In Mönchengladbach hat das zdi-Netzwerk nun anstatt eines Vor-Ort-Partnertreffens ein Video zur digitalen Kommunikation genutzt. Mit unerwartetem Erfolg.

Axel Tillmanns ist Koordinator des zdi-Netzwerks in Mönchengladbach. Normalerweise besteht seine Aufgabe in der Konzeption und Realisation von Projekten, zdi-Angeboten für Jugendliche und Netzwerkarbeit. Jetzt ist er ein Filmstar, zumindest ein kleiner. Denn er tritt als Gesicht und als Stimme mittlerweile in mehreren Filmen der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach auf – unter anderem in einem Film, der anstatt eines physischen Partnertreffens des aktuellen EFRE-zdi-Projekts des zdi-Netzwerks genutzt worden ist. Im Gespräch mit der Redaktion des zdi-Portals berichtet er, wie es dazu kam.

Herr Tillmanns, können Sie zu Beginn kurz erklären, um was für ein Projekt es sich überhaupt handelt, für das Sie den Film produziert haben?

Wir möchten gerne sogenannte Future Boards in allen weiterführenden Schulen der Stadt aufstellen. Diese sollen Berufs- und Studienorientierung direkt zu den Jugendlichen bringen. Unsere Idee ist, dass Unternehmen dort beispielsweise Praktikums- oder Ausbildungsplätze ausschreiben können, wir aber auch auf alle zdi-Aktivitäten hinweisen.

Es gibt schon „Blaue Bretter“ in den Schulen, auf denen wir diese Inhalte derzeit platzieren. Doch die gehen im Alltag oft unter. Deswegen ist die Idee entstanden, dass wir digitale Monitore aufstellen, um Schülerinnen und Schüler zu informieren.

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Und was hat es mit dem Partnertreffen auf sich?

Es handelt sich bei den Future Boards um ein EFRE-zdi-Projekt. Das ist entstanden, nachdem unser erstes EFRE-zdi-Projekt ausgelaufen ist. Damals konnten wir zahlreiche neue Unternehmenspartner gewinnen, vor allem kleine und mittlere Unternehmen. Für die ist es besonders schwierig, guten Nachwuchs zu gewinnen – deswegen haben auch sie besonders großes Interesse über die Boards Kontakt zu Jugendlichen aufzubauen. Sie müssen wissen: Je kleiner das Unternehmen, desto größer die Probleme, was den Nachwuchs betrifft. Zeitmangel und Budget sind da natürlich die häufigsten Gründe, warum KMU (Anm. d. Red.: kleine und mittlere Unternehmen) Unterstützung benötigen.

Um die Kontakte zwischen Schulen und Unternehmen, die wir seit vielen Jahren durch unsere zdi-Arbeit aufgebaut haben, weiterzuentwickeln, haben wir mit den insgesamt 160 interessierten Unternehmen und Institutionen überlegt, wie ein neues Projekt aussehen könnte. Und aus einer anfänglichen Idee ist nun das Konzept der Future Board entstanden. 20 feste Partner, zu denen Schulen und Unternehmen, aber auch übergeordnete Einrichtungen zählen, setzen das Projekt nun um. Und für die wollten wir das Partnertreffen organisieren.


Aber das konnte aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden.

Richtig. Eigentlich waren wir gerade in der Planung, dass die ersten Prototypen in vier der zehn Schulen gebracht werden sollten. Dann kam die Schulschließung. Also mussten wir überlegen, wie wir im Projekt dennoch gut weiterarbeiten können. Da wir einen sehr partizipativen Ansatz gewählt haben, stand als nächster Schritt an, die Anforderungen und Inhalte, die auf den Boards veröffentlicht werden sollten, zu klären. Dazu hätte das Partnertreffen unter anderem dienen sollen.

Wir mussten also überlegen, was wir alternativ anbieten, um die Kommunikation aufrecht zu erhalten und zu zeigen, dass wir weiter innovativ an dem Projekt arbeiten.

Und dann kam die Idee, ein Video zu produzieren?

Zum einen das Video, zum anderen planten wir eine Umfrage, um die Bedarfe an die Boards zu klären. WIE die Future Boards aussehen sollen, das entscheidet der Partnerkreis. Zum Beispiel könnten wir Monitore mit Handdesinfektionsspendern ausstatten – eine Idee, die derzeit natürlich sehr charmant klingt.

Uns war schnell klar, dass eine reine Präsentation per E-Mail nicht das transportiert, was wir möchten. Wahrscheinlich hätten sich nur sehr wenig Leute die Infos angeschaut. Im Raum stand auch die Idee, eine Videokonferenz zu machen. Das war aber zu einer Zeit, in der alles noch sehr chaotisch war: Die Schulen waren ausgebremst und Unternehmen komplett wegen Kurzarbeit und Finanzierungsfragen eingebunden. Das Video ist aus unserer Sicht die beste Lösung gewesen, denn es ist digital, hochwertig und informativ und die Partner konnten es sich zu dem Zeitpunkt anschauen, der für sie passend war.

EFRE-zdi ist ein Förderprogramm, um regionale MINT-Aktivitäten zu unterstützen. Alle Infos auf unserer EFRE-zdi-Seite.

Hatten Sie Hilfe von einer Agentur?

(lacht) Nein, das ist mit Power Point gemacht. Ich habe ein bisschen mit dem Programm herumgespielt und war erstaunt, dass es ganz einfach ist, eine Präsentation zu vertonen. Das war recht selbsterklärend. Ich habe die Präsentation gemacht, ein Skript geschrieben, dann zuhause im Keller mit einem USB-Mikro den Text eingesprochen. Ich konnte den Text Folie für Folie aufnehmen und alles am Ende zusammenfügen. Das war dann eigentlich ziemlich entspannt und schnell gemacht.

Und wie waren die Reaktionen der Partner?

Ehrlich gesagt sind wir überwältigt von den positiven Rückmeldungen. Zum einen haben wir viel mehr Personen als sonst erreicht: Normalerweise kommen von etwa 160 angeschriebenen etwa 30 Personen zum physischen Partnertreffen. Das Video haben mehr als 80 Personen angeschaut – und es können ja noch mehr werden.

Außerdem haben wir an das Ende einen Link zu unserer Umfrage bezüglich der Anforderungen an die Future Boards gesetzt. Unser Ziel war, möglichst viele Teilnehmer*innen zu gewinnen. Das hat geklappt – wir haben schon zahlreiche Rückmeldungen.

Welche Tipps geben Sie der zdi-Community, um digitale Kommunikation zu betreiben?

Ich glaube, jetzt ist die beste Zeit, um Neues auszuprobieren und Ideen einfach mal zu realisieren. Wer mit Power Point umgehen kann, der wird das mit der Vertonung auch schaffen. Jeder Empfänger ist zurzeit dankbar, wenn man in der Kommunikation Neues versucht. Schlecht kann so ein Video ohnehin nicht sein, denn es geht um tolle Projekte und gute Themen – eine willkommene Abwechslung zu all den schlechten Nachrichten da draußen. Und: Die Unternehmen merken im Moment, dass es auch eine Zeit nach Corona gibt – und sie werden sich um ihren Nachwuchs kümmern müssen.

Wie geht es nun mit Ihrer Karriere als Off-Sprecher weiter?

Tatsächlich trauen wir uns wegen des Erfolgs unseres kleinen Videos nun weiter vor. Wir planen für eine Berufsorientierungsmesse im Spätsommer, die auch digital stattfinden wird, eine Kombination aus Folien, Film und Sprechertext. Unternehmen sollen auf diese Weise sich und ihre Ausbildungsberufe vorstellen. Ein Beispiel haben wir schon als Wirtschaftsförderung produziert, in dem ich dann vor der Kamera stand. Diese Filme sollen dann auch auf den Future Boards zu sehen sein. Dazu müssen wir sie am Ende nur noch mit Untertiteln versehen. Letztlich hat die Krise uns also etwas gebracht: Wir haben einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht, was innovative, digitale Formate betrifft.

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Aktuelle Corona-Infoseite

Informationen für die zdi-Netzwerke und zdi-Schülerlabore anlässliche der Corona-Pandemie finden Sie auf der Corona-Infoseite des zdi-Portals.

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