Wie Geowissenschaften junge Menschen für Nachhaltigkeit begeistern

Eine Mehrheit der jungen Menschen zwischen 14 und 30 Jahren legt Wert auf Nachhaltigkeit. Das betrifft sowohl ihren Alltag als auch die spätere Berufswahl. Allerdings engagieren sich nur fünf Prozent aktiv, zum Beispiel in ehrenamtlichen Projekten. Eine Ursache dafür kann ein Mangel an Vorbildern und lokalen Mitmachaktionen sein. Laut der aktuellen Studie Jugend und Nachhaltigkeit (2022) der Bertelsmann-Stiftung liefern diese eine besonders starke Motivation, sich zu engagieren. Genau an dieser Stelle setzen die Projekte von zdi.NRW an: Vorbilder in Wissenschaft und Wirtschaft erhalten Raum, um mit jungen Menschen in direkten Kontakt zu treten. Veranstaltungen, zum Beispiel im Rahmen der Berufs- und Studienorientierung, bieten Gelegenheiten, sich vor Ort aktiv zu engagieren.

Wir möchten zwei zdi-Projekte aus dem Bereich der Geowissenschaften vorstellen. Beide zeigen, wie die Geowissenschaften junge Menschen für Themen wie Klimaforschung, Informatik und Umweltschutz begeistern können.

Die Projektwoche „smart region“ des zdi-Zentrums Coesfeld

Ein Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule stellt das Projekt der Kräuterrallye vor.
Ein Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule stellt das Projekt der Kräuterrallye vor. © zdi.NRW 2022

Bei der Projektwoche „smart region“ wurde ein ganzes Dorf mit einem Pop-Up-Nachhaltigkeitszentrum auf die vor Ort relevanten Umweltthemen aufmerksam gemacht. Dafür deckte die Jahrgangsstufe zwölf der Anne-Frank-Gesamtschule in Havixbeck-Billerbeck in diversen Projekten auf, wo in ihrem Ort aktiv Umweltschutz betrieben werden kann. Unterstützt wurden die Schüler:innen dabei vom Institut für Geoinformatik der WWU Münster und dem zdi-Zentrum Kreis Coesfeld. Die Ergebnisse werden seit der Eröffnung des Pop-Up Zentrums im August 2022 bis Ende des Jahres im Integrationstreff und Second Hand Laden einLaden in Billerbeck vorgestellt.

Bei der Erarbeitung der Ergebnisse spielen Geoinformationssysteme (GIS) eine entscheidende Rolle. Sie gehören zum Handwerkszeug der Geowissenschaften und sind heutzutage hochtechnisiert. Mit der Verknüpfung von Informatik und Geografie kann das Studienfach der Geoinformatik gleich zwei Zielgruppen erreichen: „Es sind Schüler:innen dabei, die bereits IT-Interesse und vielleicht sogar schon Programmiererfahrung haben und die wir mit diesen Projekten auch ganz nah an Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen bringen können. Genauso ist es auch andersherum: Es sind Schüler:innen in der Projektwoche dabei, die vielleicht bei Fridays-for-Future oder anderen Aktionen im Umweltkontext aktiv sind, aber noch kaum IT-Erfahrung haben. Und die bringen wir dann zusammen mit den Technologien, die sie später vielleicht in ihrer Berufswahl unterstützen“, sagt Dr. Thomas Bartoschek, der als Geschäftsführer der openSenseLab gGmbH das Projekt mit seiner Expertise und Geoinformationssystemen unterstützt.

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Was sind Geoinformationssysteme (GIS)?

Geoinformationssysteme erfassen, verarbeiten und analysieren verschiedene räumliche Daten. Zu den bekanntesten Online-GIS, die auch Nicht-Geowissenschaftlern ein Begriff sind, zählen zum Beispiel Google Maps oder die OpenStreetMap.

GIS, die häufig in Schüler:innen-Projekten eingesetzt werden, sind zum Beispiel Sensoren zu Analyse der Raumluftqualität oder der Bodenbeschaffenheit oder auch Wärmebildkameras.

Das zdi-Schüler:innenlabor GeoIT in Wuppertal

GIS kommen auch im zdi-Schüler:innenlabor GeoIT der Universität Wuppertal zum Einsatz. In den Kursen können die Schüler:innen zum Beispiel städtische Wärmeinseleffekte anhand von Thermalkameras entdecken oder Einsatzmöglichkeiten für Digitaltechnik in der Landwirtschaft erkunden. Der Kurs zum Thema erneuerbare Energien vermittelt ein umfangreiches Basiswissen zum Thema Engergiewende und Ressourcenverbrauch. „Wir möchten Klimaschutz praktisch erfahrbar machen. Dazu nutzen wir GIS, mit denen die Schüler:innen selbstständig naturwissenschaftliche Grundlagen erarbeiten und die physisch-geographischen Gegebenheiten in ihrer direkten Umgebung analysieren können“, sagt Anna Jostmeier, die Leiterin des zdi-Schüler:innenlabors.

Ein Schüler programmiert einen Mikrocontroller.
Ein Schüler programmiert einen Mikrocontroller. © Universität Wuppertal
Eine Schülerin untersucht einer Drohne das Stadtklima.
Eine Schülerin untersucht einer Drohne das Stadtklima. © Universität Wuppertal
Eine Schülerin untersucht mit Wärmebildkamera und Drohne das Stadtklima.
Eine Schülerin untersucht mit Wärmebildkamera und Drohne das Stadtklima. © Universität Wuppertal

Sie weiß auch, was die jungen Menschen an den Kursinhalten besonders begeistert: „Natürlich genießen es gerade die Oberstufenschüler:innen, schon mal Uni-Luft schnuppern zu können. Am wichtigsten ist aber der regionale Bezug, den unsere Kursinhalte haben. Aktuell planen die Schüler:innen im Kurs „Wärmeinsel Stadt“ noch die Dachbegrünung für die Uni Wuppertal. Wir möchten das Kursprogramm aber so ausbauen, dass bald auch eine Dachbegrünung für die eigene Schule geplant werden kann. Das stärkt den direkten Bezug noch mehr und erhöht im besten Fall das Engagement.“

Das zdi-Schüler:innenlabor besteht seit 2019 und wurde bis 2022 im Rahmen des Förderprogramms EFRE-zdi finanziell unterstützt. Das GeoIT belegte 2021 den dritten Platz bei den EFRE.Stars, einer Auszeichnung für besonderes Engagement beim Vorantreiben einer digitalen und grünen Transformation.

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Imagefilm des GeoIT zdi-Schüler:innenlabors. © Universität Wuppertal

Praxis-Tipp: Lokale Bezüge herstellen

Ein Fazit, das beide Projekte ziehen konnten: Lokale Angebote kommen an! Die Projekte zeigen auf, wo es vor Ort bereits Verbesserungsbedarf gibt und liefern direkte Anknüpfungspunkte für Beteiligung. Der lokale Bezug hebt das Thema Umweltschutz von der globalen Ebene in einen greifbaren, sichtbaren Rahmen und senkt so die Hürden für ein aktives Engagement.

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